Afrob: Push aus alten Zeiten?

Eine Woche nach dem letzten Konzert im b-hof geht es nun ins Cairo. Am 07.02.2015 hat sich nämlich ein alter Recke des deutschen Hip-Hop angekündigt: Afrob ist zu Gast! Da ich ja immer noch relativ „neu“ in diesem Hip-Hop Game bin muss ich gestehen das ich Afrob zwar auf dem Zettel hatte, aber die alten ASD-Sachen gingen zu der Zeit zu der sie aktuell waren an mir vorbei. Das Afrob vor ein paar Jahren (die ASD-Platte mit Samy Deluxe kam 2003 raus) schon sehr erfolgreich gewesen sein muss merkt man auch am Publikum. Der Altersdurchschnitt liegt vielleicht nur knapp unter meinem Alter, wobei sich natürlich auch junge Hip-Hop Headz heute fürs Cairo entschieden haben. Die haben sich wahrscheinlich auf Grund des letzten Albums „Push“ für Afrob begeistert und das auch völlig zu Recht. Die Platte hat wirklich gute Rapsongs inklusive einiger hochklassiger Features wie Max Herre oder eben jener Samy Deluxe zu bieten. Ansonsten: Das Konzert funktioniert. Afrob ist einfach schon zu lange im Business um nicht jede Situation auf der Bühne im Griff zu haben. Die Leute haben Bock auf Hip-Hop und Bock auf ihn. Absolute Highlights gibt es jetzt nicht zu vermelden, dass kann aber auch natürlich an mir liegen da ich mich, wie bereits erwähnt, mit dem Lebenswerk des Künstlers nicht wirklich auskenne und deshalb natürlich auch bei älteren Songs nicht diese emotionalen Bindungen im Herz trage wie vielleicht manch anderer Besucher. Ich freue mich auf jeden Fall das es Afrob nach der langen Pause noch gibt und freue mich aufs nächste Album inklusive Konzert.

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Loop Sessions: Liquid, Tribes of Jizu und breakende Necks.

Am 30.01.2015 fand im b-hof eine Veranstaltung statt, auf die ich ausnahmsweise mal nicht selbst gestoßen bin.  Und zwar waren die „Loop Sessions“ angekündigt. Auf dem Line-Up standen: Die Tribes of Jizu, Keno, Maniac und Liquid. Zu meiner Schande muss ich gestehen das mir außer Liquid niemand wirklich etwas sagte. Den wiederum (also Liquid) kannte ich bereits von der gemeinsamen Platte mit dem BBou (Boarischa Bou) namens Bavarian Wasted Youth. Von BBou ist übrigens auch der absolute Kracher „Bazis wissen wer da Bbou is“.

Das bedeutet das ich auch bereits Erfahrungen mit Mundartrap hatte. Denn genau dieses Genre bedient Liquid. Neben den wirklich guten Performances der einzelnen MCs haben mich allerdings am meisten die „Tribes of Jizu“ beeindruckt. Die bildeten nämlich die instrumentale Untermalung zu den Raps. Wobei „Untermalung“ wirklich untertrieben ist. Das Musikerkollektiv legte nämlich einen unglaublich geilen fett groovenden Flokatiklangteppich unter die Lyrics. Ich bin sowieso ein großer Verfechter von Livebands auch bei Hip Hop Konzerten und die Tribes of Jizu sind der beste Beweis warum dies einen „einfachen“ DJ um Längen schlägt. Die Musiker können auf den Vibe der Rapper und des Publikums eingehen und der Groove ist einfach viel besser zu spüren als nur von einer Platte. Natürlich haben die Tribes auch einen DJ am Start der Cuts liefert aber die Turntables sind hier nicht alleinige Band sondern einfach ein weiteres Instrument im Ensemble. Wer also irgendwo als Supportband mal die Tribes of Jizu liest: Hingehen und bitte aufpassen sich durch ausartendes Kopfnicken nicht den Nacken zu brechen.

Heisskalt: Heißer Abend im Bett mit 5 Jungs, mir und einer schönen Frau.

Wie großartig ich die Band Heisskalt finde kann man ja ohne Probleme im letzten Beitrag zum Heisskaltkonzert in Würzburg nachlesen. Nachdem ich die Böblinger Jungs nun also auf der Frühjahrsrutsche sehen durfte, waren sie nun auch nochmal im Herbst dran. Spielstätte am 02.12. war der wirklich nette und übersichtliche Club „Das Bett“ in Frankfurt. Obwohl er relativ zentral gelegen ist,  stellte es verkehrstechnisch überhaupt kein Problem da. Nachdem der Zuschauerzulauf beim letzten Heisskaltkonzert ja leider sehr zu wünschen übrig ließ war diesmal davon keine Rede. Vor dem Club standen bereits einige Leute und auch im Innenraum war ordentlich was los. Das Bett war zwar nicht überfüllt aber wirklich ordentlich voll. Die Frage die sich nun stellt, ist ob in Würzburg das Bayernspiel, die Franken an sich oder auch der Bekanntheitsgrad der Band für die magere Kulisse gesorgt hat. Das interessiert nun aber natürlich keinen. Toll ist, dass die schwäbischen Jungs die gleiche couragierte Leistung abrufen wie ein halbes Jahr zuvor. Denen ist wirklich egal wie viele Menschen da vor der Bühne stehen. Solange da jemand steht wird abgeliefert. Auf Twitter kündigte dann der Rapper im Superheldenkostüm Rockstah, den ich just einen Monat vorher live sah, sein Erscheinen auf dem Konzert an. Wie die Verbindung der beiden Künstler zustande kommt vermag ich nicht zu beurteilen, vielleicht über das ja eher hip-hop-lastige Label Chimperator auf dem Heisskalt gesigned sind, auf dem auch Cro ist und Rockstah und Cro kennen sich, ihr erinnert euch an die Burger bei McDonalds, naja egal. Mein Highlight war auf jeden Fall das Herr Nachtsheim dann sogar mit den Jungs „König Aussenseiter“ von Rockstahs Album „Pubertät“ intonierte. Rap mit harter Stromgitarrenmusik? Kann ich feiern. Nachdem das Pärchen welches sich ständig unterhielt vom Sänger Matze dann auch an den Rand des Publikums verbannt wurde war der der Rest des Sets ähnlich wie in Würzburg, eine tolle laute In-die-Fresse-Musik-Sause. Obwohl zwischen den beiden Konzerten nicht viel Zeit lag, war es aber durch die größere Lokalität und die stärkere Publikumsbeteiligung auch ein ganz anderes Konzerterlebenis. Achja. Wer die fünf Jungs waren ist nun ja geklärt, die schöne Frau war natürlich meine Begleitung.

Heisskalt im Bett in Frankfurt Rockstah und Heisskalt performen König Aussenseiter

Rockstah: Ich sah einen echten Superhelden(anzug)

Schon wieder Hip-Hop. Diesmal Rockstah. Allerdings entzieht sich Rockstahs jüngstes Album „Pubertät“ den eingefahrenen Hip-Hop Pfaden und macht einiges anders. In den Instrumentals wird natürlich gesampled was die Loopstation hergibt, aber trotzdem verschmilzt Max Nicolas Nachtsheim (der Sohn des Badesalz Nachtsheims) Einflüsse verschiedenster Musikrichtungen. Viele Tracks basieren auf Instrumentals die in einem Bandkontext eingespielt wurden. Zumindest vermute ich das beim Hören. Viel E-Gitarre, viel echtes Schlagzeug. Wenig Streicher aus der Dose oder 808 Beats. Da ich sowieso ein großer Fan solcher „Crossover“-Geschichten bin hat mich das Album ab der ersten Minute gepackt. Die teilweise sehr selbstironischen und aus dem Nerduniversum stammenden Texte finden bei mir natürlich ebenfalls einen dankbaren Abnehmer. Höchst erfreut war ich dann natürlich als sich Herr Nachtsheim auf seiner Pubertour dann auch auf nach Würzburg machte.

Am 06.11.2014 spielte er dann im Cairo und ich war gespannt ob mich das Album live genauso kicken würde wie aus der Konserve. Spoiler: Ja. Ganz im Ernst. Ein Rapper der im selbstgebastelten Superheldenanzug welches aus einem weißem Jumpsuit inklusive Cape sowie einem Mopedhelm besteht kann einfach nur von mir geliebt werden. Es steht ein unfassbar sympathischer Mensch auf der Bühne, der zwischen den Tracks auch ziemlich gute Standupqualitäten beweist. Es wird die ein oder andere Geschichte aus dem Rapper/Nerdalltag erzählt und die Lacher sind auf seiner Seite. Doch die Musik ist natürlich kein Beiwerk sondern die Hauptsache weswegen die meisten Menschen den Weg ins Cairo gefunden haben. Auch live kommt die Band nicht vom Band sondern es stehen echte Musiker auf der Bühne die echte Instrumente spielen und damit den musikalischen Teppich auslegen auf den Max seine Rhymes spitten kann (ernsthaft? was ne Formulierung). Viel lässt sich dazu auch gar nicht mehr sagen außer: Da wird doch mal das Größer-Zeichen umgedreht ><

Hochkant ist das neue quer

Edit: Hab ein Video davon auf einem alten Telefon gefunden:

Turbostaat: Hitze, verdammt!

Nun also endlich Turbostaat. Diese kleine Band aus der norddeutschen Idylle Husums statten endlich auch mal Würzburg einen Besuch ab. Schönerweise dann auch noch im Cairo, am 01.10.2014. Ein Konzert welches mich vor dem Besuch schon mit wohligem Adrenalin in meinen Adern versorgte. Die Band begleitet meine musikalische Reise schon ziemlich lange. Als ich ein paar Jahre nach der Veröffentlichung ihr „Vormann Leiss“ Album entdeckte war ich direkt hin und weg. Der Sound ist mal laut und brachial aber nimmt sich an den richtigen Stellen auch zurück. Bei meinen regelmäßigen Pendlerfahrten nach Berlin war sie immer ein treuer Begleiter auf den unzähligen Autobahnkilometern und nun lerne ich sie endlich persönlich kennen. Was man übrigens zu Turbostaat auf jeden Fall noch erwähnen sollte sind ihre Texte:

Die letzte Spule sitzt
Der Lötzinn noch nicht kalt
Ich werf die ganze Menschheit nur nach vorn
Um circa tausend Jahre
Ein Wunderwerk vollbracht
Muss lachen
Das macht mir keiner nach

Das ist ein Auszug aus dem Track „Vormann Leiss“ vom gleich benannten Album. Ich muss gestehen ich kann selten direkt etwas mit den Worten anfangen. Trotzdem berühren sie mich doch immer wieder.

Das Cairo war, wie zu erwarten, brechend voll. Schon vor dem Konzertbeginn schwitzten wir um die Wette. Der Konzertbeginn ließ die Temperatur dann gefühlt nochmal um 10°C ansteigen. Nach den ersten Songs nahm ich das Publikum nicht mehr als einzelne Menschen war sondern nur als eine große wabernde schwitzende Humanmasse. Das ganze Publikum? Nein, 4-5 Chaoten hielten es für eine gute Idee das komplette Konzert mit nacktem Oberkörper wild tanzend andere Besucher anzuschwitzen und zu belästigen. Die Band reagierte sehr emotional und bat die Vollhorsts vor dem Herrn mehrmals darum sich etwas rücksichtsvoller zu verhalten. Leider ohne Erfolg, was dazu führte das die Jungs dann nach ca. der Hälfte des Konzerts vor die Tür gesetzt wurden. Das großartige Konzerterlebnis ließ ich mir dadurch aber nicht vermiesen. Das Konzert fühlte sich an wie eine lange sehr schweißtreibende Reise ohne wirklichen Halt. Also ganz ähnlich wie auch ihre Platten funktionieren. Das ist wohl auch einer gut zusammengestellten Setlist zu verdanken. Und obwohl das Konzert wirklich toll war, ein bisschen froh waren dann irgendwie schon alle als es endlich vorbei war. Den spätestens als man die Übersicht verloren hatte ob das nun eigener oder fremder Schweiß ist, der da gerade das T-Shirt durchnässt, wünschte ich mir ein kaltes Bad in der Nordsee herbei.

Das wohl beste Konzertbild der Welt.

Das wohl beste Konzertbild der Welt. Wobei ich finde es fängt die Stimmung trotzdem irgendwie ein.

Der spontane Konzertbesuch war aber „Die höchste Eisenbahn“

Der Entschluss mich ins Cairo zum Konzert von „Die höchste Eisenbahn“ zu begeben fiel am Vatertag, Christi Himmelfahrt also halt dem 29.05. recht kurzfristig. Um ehrlich zu sagen entschied ich mich 1 Stunde vor Konzertbeginn. Also hab ich noch schnell geduscht und es ging zu Fuß los. Die zweite Ungewöhnlichkeit an diesem Konzertbesuch war die Tatsache das ich bis auf den Bandnamen und den Fakt das Francesco Wilking dort mitspielt nichts über die Band wusste. Also auf dem Weg auch noch schnell Spotify angeschmissen und mal schnell ins Album „Schau in den Lauf Hase“ reingehört. Da mir gefiel was ich hörte drehte ich dann auch nicht mehr um, sondern bekam ohne Probleme an der Abendkasse noch Einlass gewährt. Ich muss sagen das ich ein großes Francesco Wilking Fangirl bin. Denn nicht nur Tele gefiel mir immer sehr gut sondern ich mag einfach den Klang seiner Stimme und seine Art zu reimen.

Also Vorband war „And The Golden Choir“ engagiert. Der gute Tobias Siebert der ganz alleine auf der Bühne mit diversen Gerätschaften seinen Sound zusammenbaute kam dir auch direkt bekannt vor. Seine Sendung bei TV Noir mit seiner Band Klez.E flimmerte erst vor kurzem über meinen Bildschirm. Interessante Musik die man nicht in 5 Minuten erschließt, die es aber wert ist sich etwas länger damit zu beschäftigen.

Das Cairo war mittlerweile gut gefüllt aber nicht überfüllt als „Die höchste Eisenbahn“ auf die Bühne kam. Mein zweites Déjà-vu war perfekt. Mein Gedanke war „Häh? Die kennst du doch alle?“. Ok. Francesco Wilking ist klar. Moritz Krämer muss mir auch in irgendwelchen Projekten schon begegnet sein. Am Bass steht Felix Weigt den ich ja erst vor ein paar Monaten genau an der selben Stelle zusammen mit Spaceman Spiff sah. Und an den Drums der gute alte Max Schröder a.k.a. Der Hund Marie. Der Typ der schon bei Olli Schulz, Tomte, Thees Uhlmann, Hansen Band, Walter Schreifels… musiziert hat. Retrospektiv betrachtet ist Max Schröder für das Who is Who meines Musikgeschmacks verantwortlich. Danke dafür.

Was lässt sich zum Konzert sagen: Seit dem Donnerstag läuft bei mir eigentlich kaum etwas anderes als „Schau in den Lauf Hase“. Ein wirklich tolles Album welches live den gleichen angenehmen Charme verströmt wie aus der Konserve. Man fühlt sich in der Musik einfach aufgehoben. Tolle Texte, wunderbar instrumentiert, man merkt das hier tolle Musiker aufeinander getroffen sind und jeder seinen eigenen Beitrag eingebracht hat um ein wunderbares Ganzes zu erschaffen. Auch wir als Publikum haben die Zeit einfach genossen. Ganz schwierig die Stimmung zu beschreiben außer: Einfach schön.

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Heisskalt: Hallo! Wo sind denn alle?

Ich weiß leider gar nicht mehr wie ich auf die Band Heisskalt gestoßen bin. Die Jungs sind auf jeden Fall aus Stuttgart von daher kann es natürlich auch durch eine regionale Überschneidung passiert sein. Als ich mich mit ihnen beschäftigt habe hatten sie nur eine kleine EP namens „Hallo – Mit Liebe gebraut“ am Start und die lief bei mir wirklich auf really heavy rotation. Vor allem der Song „Hallo“ ist ein sehr sehr guter. Toller romantischer Text aber musikalisch geht es richtig vorwärts. Schönste Stelle im Text: „Ich denk so laut ich kann. Kannst du mich hören?“. Hach. Am 21. März erschien dann ihr erster echter Longplayer „Vom Stehen und Fallen“, der mich anfänglich gar nicht so kickte. Nachdem ich das Album aber erstmal wieder etwas ruhen ließ und ihm eine 2. Chance gab hat es mich dann doch gekriegt. Zu empfehlen ist auf jeden Fall das Video zu „Nicht anders gewollt“.

Am 29.04.2014 ging es dann also ins Cairo um die Jungs aus Stugi live zu bewundern. Dummerweise trafen sie mit dem 29.04. ein ganz dummes Datum. An diesem Abend standen nämlich die Bayern im CL-Finale gegen Real Madrid. Und ich hätte es nicht für möglich gehalten aber das Cairo war (leicht übertrieben) fast leer. Mein erstes Konzert im Cairo bei dem im Konzertsaal der Merchstand stand (Satzbau ist Absicht gewesen)! Wir waren tatsächlich schockiert, denn diese Band hat mehr verdient. Nachdem ich meine Kontaktperson vor dem Fernseher nochmal auf die Wichtigkeit der sofortigen Information bei besonderen Ereignissen hingewiesen hatte ging es dann los. Tja was soll ich sagen. Der Liveticker wurde auf mein Bitten hin beim Stand von 3:0 nach 34 Minuten eingestellt und ich konnte mich ganz auf das Konzert konzentrieren. Und trotz des wirklich mageren Publikums kam Stimmung auf. Es war eine ganz besondere Atmosphäre was auch der Sänger Matze bemerkte. Denn zwischen den Songs war eine fast schon gespenstische Stille in die auch niemand hinein quatschen wollte. Skurril und schön zugleich. Hatte ich so bisher nur mal bei Tomte erlebt. Dafür waren die Songs umso lauter. Heisskalt machen kraftvolle Musik, teilweise auch mit Anleihen aus dem Hardcore. Die Band gibt wirklich alles und als gutes Publikum goutiert man dies. Ich hatte das Gefühl das sie einfach dankbar sind ihre Musik anderen Menschen ans Herz legen zu dürfen, und dabei ist es egal ob 5 oder 5.000 vor der Bühne stehen. Und auch ich kann sagen das ich mich wieder unter diese Menschen mischen werde. Egal ob unter 5 oder 5.000 Anderen!

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Olli Schulz: Und dann schlägt dein Herz und die Nase läuft.

Es hatte mich mal wieder erwischt. Ausgerechnet am 02.04.2014 war ich unfassbar krank. Und ich rede hier von einer wirklich ausgewachsenen Männererkältung, also definitiv nichts womit man(n) spaßen sollte. Aber mag die Gesundheit auch noch so angeschlagen sein, ich kann mir kaum etwas vorstellen was mich dazu bringen könnte ein Olli Schulz Konzert zu verpassen. Also pilgerte ich die paar Meter vom Bett in die Posthalle. Die Vorband hatte ich mir aus eben genannten Gründen auch geschenkt. Dort angekommen traf ich dann auch direkt bekannte Menschen. Im Nachhinein erfuhr ich sogar das gefühlt das halbe Publikum aus Menschen bestanden haben muss die ich kenne. Ich habe einfach einen guten Geschmack. Was Musik aber auch was Freunde angeht. Falls sich mein Körper übrigens zu einer Atemwegserkrankung entschließt entwickelt sich meine Stimme immer in Tiefenbereiche die Damen regelmäßig den Schlüpfer befeuchtet. Der Nachteil ist nur, ich bin immer zu kaputt um daraus Kapital zu schlagen.

THEMAWECHSEL: DAS OLLI SCHULZ KONZERT WAR SEHR SEHR TOLL. Ich hab den Olli jetzt schon ein paar mal live gesehen und es ist mir immer wieder ein Fest, denn auch wenn er wirklich ernste und traurige Songs performed sind die Ansagen äußerst kurzweilig und bringen einen immer wieder zu unkontrollierbaren Lachanfällen. Die Mischung aus Ernsthaftigkeit und „Klamauk“ erinnert mich ein bisschen an William Fitzsimmons, den eben dieser ist ebenfalls in der Lage diese wirklich sehr unterschiedlichen Gefühle in kurzen Augenblicken aufeinander folgen zu lassen. Und falls ich mich auf einer der nächsten Partys daneben benehmen sollte werde ich einfach den Satz: „Ihr seid einfach nicht Rock’n’Roll genug“ benutzen um jegliche Kredibilitätsverluste im Keim ersticken zu können. Ansonsten muss ich leider gestehen das mir gar nicht so viele Eindrücke im Gedächtnis haften geblieben sind. Das sind also die Auswirkungen des fit spritzens. Muss ich nicht nochmal haben. Das nächste Konzert des werten Herrn Oliver Marc Schulz genieße ich gerne wieder unbenebelt.

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SSIO: „Ich sag Käse, ihr sagt Wurst. KÄSE!“

Meine Transformation zum 100%igen Hip Hop Head schreitet immer weiter voran. Aktueller Lernstoff: Gangsterrap (deutsch). Das zugehörige Anschauungsmaterial nennt sich SSIO und stammt aus Bonn. Der Praxisunterricht fand am 28.03.2014 im Hirsch in Nürnberg statt. Das aktuelle Album von SSIO hört auf den Namen BB.U.M.SS.N und lief bei mir wirklich lang in der heavy rotation. Ich muss sagen das ich bei SSIO ähnlich wie bei Haftbefehl einen ironischen Überbau vermute. Mir kommen die beiden einfach zu selbstreflektiert vor, als dass ich ihnen unterstellen möchte das sie wirklich alles was sie so von sich geben auch ernst meinen. Nun ging es also nach einer kurzen Aufwärmphase bei meiner Übernachtungsgelegenheit mit der S-Bahn Richtung Hirsch. Der Club liegt ziemlich abgeschieden in einem hässlichen Industriegebiet in dem ich nachts alleine keinem Gangsterrapper begegnen möchte. Die erste Überraschung folgte dann ziemlich schnell. Wir waren wohl die einzigen Besucher des Konzerts die dem ganzen eher ironisch begegneten. Der Großteil des Publikums beeindruckte nämlich mit Muskeln die man in der Disko sieht, sowie dem bekannten Boxerhaarschnitt. Wir wirkten dort eher fremdkörperig und ich gab mir Mühe mit meinen Blicken keinen Streit zu suchen. Egal, ich versuchte zwei Bier am Tresen zu bekommen, wurde aber mit dem Hinweis „pro Person nur 1 Getränk“ wieder weggeschickt. Das sind ja wirklich interessante Gepflogenheiten in der Hood. Zum Glück begann dann auch das Konzert. Und nun folgt wieder mal das großartige an Musik. Sie macht nämlich aus den verschiedensten Menschen, unterschiedlicher Gesellschaftsschichten, Glaubensrichtungen oder Herkunftsländern eine große Gemeinschaft. Das ganze Konzert war eine große Party unter Anderem auch mit verschiedenen Gastauftritten zum Beispiel von Schwesta Ewa, eine Rapperin die früher als Prostituierte gearbeitet hat. Sie forderte das Publikum beim Entern der Bühne auf sie jetzt mit Flaschen zu bewerfen und dies dafür für den Rest des Konzertes zu unterlassen. Die Frau hat Eier. Um nochmal zum ironischen Überbau zu kommen. Ein Gangsterrapper, der übrigens nebenbei BWL studiert, und das Publikum mit einer „Ich sag Käse, ihr sagt Wurst. KÄSE!“ Ansage dazu bringt kollektiv „WURST!“ zu brüllen nimmt dies wahrscheinlich nicht zu 100% ernst. Das ist den Leuten, sowie mir aber auch egal, denn wir hören geilen aggressiven Rap und lustige Texte auf interessanten Beats. Kostprobe gefällig? Dann einfach mal in den Track „Big King XXL“ hören. Eine Perle des guten Geschmacks! Als Fazit lässt sich sagen das man mit einem offenem Musikgeschmack ohne künstliche Barrieren im Kopf einfach mehr Spaß hat, sowie immer weiß wen man anrufen muss, wenn man mal keinen Kanalreiniger braucht.

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Spaceman Spiff: Vorwärts ist live definitiv eine Richtung.

Den Namen Spaceman Spiff schnappte ich im Würzburger Musikleben schon öfter auf, hatte aber leider nie die Muse mir auch mal etwas anzuhören. Ich stellte mir darunter immer irgendeine krude Stonerrock Band vor. Eines Besseren belehrt wurde ich dann auf einem der letzten Umsonst & Draussen Festivals auf dem Spaceman Spiff kurzfristig für eine ausgefallene Band einsprang. Mehr oder wenig zufällig stand ich also im Drinnen Zelt als der sehr sympathische Hannes inklusive Band ein großartiges Konzert ablieferte. Danach checkte ich natürlich seine alten Releases und war begeistert und oft berührt. Wie oft ich „Egal“ vom 2009er Album „Bodenangst“ auf dem Weg zur Arbeit im Auto gepumpt und lauthals mitgesungen habe kann ich gar nicht mehr zählen. Übrigens auch sehr zu empfehlen ist die TV Noir Sendung mit ihm und George Ezra.

Nach dem Wechsel nach Hamburg und zum tollen Label „Grand Hotel van Cleef“ konnte ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Am 10.01.2014 (fast das beste Datum der Welt) wurde dann „Endlich Nichts“ released und die dazugehörige Tour nutzte ich aus um mir Herrn Hannes zum 2. Mal live anzusehen. Mit meiner sehr wundervollen Begleitung fanden wir uns also am 24.01. im Cairo ein, welches fast logischerweise ausverkauft war schließlich ist der Hannes sozusagen ein local hero. Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Würzburg hat so ein Konzert natürlich auch etwas von nach Hause kommen. Wenn ich es richtig verstanden habe, waren Mama und Papa auch auf dem Konzert zugegen. Außerdem gab er die ein oder andere Anekdote aus seiner Würzburger Dorfvergangenheit zum Besten. Musikalisch stellt sich Spaceman Spiff live schon ein wenig anders dar als aus der Konserve. Auf Platte immer sehr reduziert teilweise nur mit Gitarre und Gesang bekommen die Songs in der Umsetzung mit der Band einen ganz anderen Drive. Ich muss sagen das ich wirklich sehr überrascht war das die Songs auch richtig vorwärts und in die Beine gehen können. Es war definitiv kein Konzert bei dem man still in der Ecke stand und sich der Melancholie hingab. Ich werde den Hannes auf seinem weiteren Weg auf jeden Fall verfolgen und zähle ihn zu einem meiner liebsten deutschen Songwriter.

Achja: Fotos fehlen. Ich hatte nur Augen für die Musik 😉